Stromsparen durch ein intelligent vernetztes Haus? Der Realitätscheck!

In der Werbung wird bei vernetzen Häusern vollmundig von Energieeffizienz und  Kosteneinsparungen durch neue smarte Technologien gesprochen. Was ist dran? Wie viel kann in einem vollvernetztem Haus gespart und wie umfangreich der Umwelt geholfen werden?

Bestandsaufnahme: Energieverbrauch deutscher Haushalte

73% der Energie fällt für Warmwasser und Heizung an
12 % für Warmwasser
6% zum Kühlen, Gefrieren und Waschen
4% zum Kochen
2% Licht
<1 % Unterhaltungselektronik
2% Sonstiges

Warmwasser und Heizung

Neugebaute Smarthomes werden heutzutage meist mit modernen Niedertemperatur-Heizungen ausgestattet. Eine zeitweise Reduzierung der Raumtemperatur z.B. durch nächtliche Absenkung lohnt sich in der Regel nicht und kann aufgrund des Mehrverbrauchs beim Hochheizen mehr Energie verbrauchen als eine konstant gehaltene Raumtemperatur.
Die Raumtemperatur einzelner Räume zu reduzieren, welche nur am Wochenende benutzt werden kann dagegen sinnvoll sein. Das kurzzeitige Abschalten der Heizung von Räumen mit offenen Fenstern macht aufgrund der Trägheit moderner Fußbodenheizungen ebenfalls keinen Sinn.

Ein für mein Smarthome entwickeltes Gira HS Programm musste ich deaktivieren. Abstecher zum Kaminholzhacken oder in den Garten führten bei nicht richtig geschlossener Terassentür zu einer ungewollten Abkühlung des Wohnzimmers. WAF (Womans acceptence Factor) gleich Null.

Die Steuerung der Heizung, zum Beispiel durch moderne Knx Raumtemperaturregler bringt auf der anderen Seite natürlich einen erheblichen Komfortgewinn. Hervorzuheben sind die Genauigkeit der Raumtemperatursteuerung oder die Steuerung der Temperaturen über Smartphones oder Tablets auch von außerhalb des Hauses.

Potenzial: Gering. Eine Energieeinsparung lässt sich bei regelmäßigen längeren Abwesenheiten der Hausbewohner und / oder bei reduzieren der Temperaturen von Räumen welche regelmäßig nicht benutzt werden. Die Investitionskosten lassen sich in den meisten Fällen nicht amortisieren.

Kühlen, Gefrieren, Waschen, Kochen

Niemand wird Kühlschränke zeitweise abschalten. Beim Waschen lassen sich je nach Stromtarif Zeitintervalle mit einem günstigeren Strompreis nutzen, beim Kochen eher nicht. Die Anschaffung moderner A+, A++ oder gar A+++ Geräte bringt mehr.

Potenzial: Keines.

Licht

Eine automatische Lichtsteuerung hat dagegen Sparpotenzial. Mit Hilfe von Präsens- und Bewegungsmeldern lassen sich Flure und Bäder komfortabel Steuern und automatisch schalten. Über eine Leaving Home Funktionen lässt sich sämtliches Licht und andere Verbraucher vollständig abschalten. Die Bewegungsmelder können darüber hinaus zur Überwachung genutzt und zeitgesteuerte Lampen zum Abschrecken von Einbrechern verwendet werden. Da heutzutage meist stromsparende Energiesparlampen und LED Leuchtmittel verwendet werden (sollten) wird sich das Sparpotenzial in Zukunft weiter verringern.

Potenzial: Mittel, Einsparungen möglich. Licht verursacht nur etwa 2% der Stromkosten.

Unterhaltungselektronik

Durch das bedarfsgerechte Starten und Herunterfahren von Heimservern, NAS Geräten und Routern oder Mediacentern lässt sich ein Teil des durch diese Geräte verbrauchten Strom einsparen. Ein NAS, welches in der Woche von 23:00 Uhr bis 7:00 Uhr heruntergefahren wird, spart rein rechnerisch 33% Energie ein. Ein Sonsos Play 5, welches nur unregelmäßig genutzt wird und mit etwa 7 Watt Standbyverbrauch zu viel Strom frisst, lässt sich über eine durch KNX schaltbare Steckdose zähmen.

Potenzial: Im Verhältnis zum Gesamtverbrauch des Hauses gering.

Smart Metering

Das Messen und Anzeigen des Stromverbrauchs und einzelner Verbraucher hilft zu verstehen, wo und wann Energie im Haus verbraucht wird. Aus einem vom Bundesministerium für Bildung und Forschung geförderte Projekt „Intelliekon“ (2000 Haushalte) geht hervor, dass durch intelligente Stromzähler und die Visualisierung des Stromverbrauchs Privathaushalte durchschnittlich 3,7 Prozent Strom einsparen. Bei zeitvariablen Tarifen lag die Einsparung bei 9,5 Prozent. Über Impulszähler lassen sich digitale Stromzähler leicht in ein KNX System einbinden. Die Kosten für digitale Zähler fangen bei 35 Euro an. Über KNX Aktoren mit Strommessungsfunktion lässt sich der Verbrauch von einzelnen Geräten messen. Dies geht aber ebenso mit Strommessgeräten aus dem Baumarkt für wenige Euro. Auch springen Stromanbieter zunehmend auf den Zug auf und stellen ihren Kunden über Weboberflächen Informationen zum Stromverbrauch im Zeitverlauf zur Verfügung.

Potenzial: Zu sehen welche Geräte zu welcher Zeit wie viel Strom verbrauchen und was einzelne Energiesparmaßnahmen bringen ist häufig ein interessanter anspornt und so kann Energiesparen sogar Spaß machen.

Fazit:

Zugegeben ich bin ein großer Fan von Vernetzung und freue mich über jede kW/h eingespartem Ökostrom, den ich über Smart Metering entdecken kann. Die großen Verbrauchern wie Heizung, Warmwasser und zeitgemäßer „weißer Ware“ sind durchoptimiert. Eine weitere Energieoptimierung über eine Smarthome-Vernetzung steigert den Komfort, reduziert aber kaum die nächste Abrechnung. Andere Verbraucher wie Licht und Unterhaltungselektronik fallen im im Gesamtverbrauch kaum ins Gewicht. Einsparungen durch Smart Metering kommen überwiegend durch ein stärkeres Bewusstsein zum Energiesparen. Die Mehrkosten einer KNX Installation oder die umfangreiche Nachrüstung über andere Systeme amortisieren sich über die Energiekosten in privaten Häusern nicht.

Spart das vernetze Haus Energie und schont die Umwelt? Ganz ehrlich, eher nicht. Aber geht es beim Vernetzen darum? Eher auch nicht ;).

One thought on “Stromsparen durch ein intelligent vernetztes Haus? Der Realitätscheck!

  1. Es gibt schon einige Dinge auf die man achten kann, um letztendlich auch Strom und damit die verbundenen Kosten einzusparen. Darum sollte sich jeder kümmern, denn am Ende zahlt sich so etwas meist aus.

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.